Museum der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft e. V. zeigt Sonderausstellungen "Münzen und Töpferwaren"

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(Wime) Am Sonntag den 30. März öffnete das Museum der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft e. V. – SFA nach der Winterpause wieder seine Pforten. In den vergangenen Monaten wurden der Arbeitsgemeinschaft einige interessante Funde überlassen bzw. als Leihgabe zur Bereicherung der bestehenden Ausstellung übergeben. Unter den vielen Neuzugängen befinden sich etliche steinzeitliche Geräte. Herrausragendes Exponat ist eine sogenannte "Donauländische Axt" die vor 1935 in Obereinzingen (TÜP-Bergen) aufgefunden wurde (s. "Die Heidmark" von H. Stuhlmacher) und nach etwa siebzig Jahren von den Erben dem Museum übergeben wurde. Neben einigen anderen Neuzugängen ist noch ein Holzpaddel aus Hodenhagen erwähnenswert, dessen Leihgeber das Museum Verden ist. Es ist jetzt mit dem mächtigen "Einbaum" vom Ahldener Schloß vergesellschaftet.

Die Vitrine für "Gastausteller" wurde von der Bomlitzer Töpferinn Karla Thölken mit handgeformten Keramikwaren bestückt.

Einen etwas größeren Raum nimmt die Sonderaustellung "Neue Münzfunde von Chr. Geb. bis zum dreißigjährigen Krieg aus dem Südkreis Soltau-Fallingbostel" ein. Bis auf den Münzschatz aus Ettenbostel werden die anderen Münzen erstmalig in der Öffentlichkeit gezeigt. Anlaß waren die kürzlich erworbenen römischen "Soldatenmünzen". Die älteste Münze der Ausstellung ist ein keltischer Leuker (60-50 v.Chr.) der zusammen mit einer weiteren, verschollenen keltischen Münze um1910 von einem Architekten bei Fallingbostel aufgefunden wurde. Der Fundort Fallingbostel ist eine Besonderheit, bedeutet er doch den nördlichsten Fundort dieses Typs in Deutschland. Die Hauptfundorte liegen an der oberen Seine und Maas mit dichter Streuung nach Westen bis in die Pfalz. Eine römische Münze aus Essel (verschollen) konnte ebensowenig ausgestellt werden, wie ein dort 1758 aufgefundener Reichsdenar Ludwig des Frommen (814-840) der im derzeit unzugänglichem Münzkabinett auf der Marienburg bei Nordstemmen aufbewahrt wird. Die Sieben im Besitz des Museums der AAG-SFA befindlichen römischen Münzen wurden in dem Zeitraum von etwa 100-350 nach Chr.Geb. geprägt und innerhalb von verschiedenen germanischen Siedlungsarealen im Aller- Leinetal des Altkreises Fallingbostel entdeckt. Eine besondere Rarität sind die drei als Kopie vorliegenden Goldmünzen aus Grethem. Die Kopien der im 15. Jahrhundert in Riel am Rhein geprägten Münzen hat wieder Herr Gerhard Gienke aus Etelsen angefertigt der ehrenamtlich seit Jahren mit der AAG-SFA zusammenarbeitet. Erfaßt wurde auch eine arabische Goldmünze die derzeit als verschollen gilt und1865 in Böhme bei der Anlage von "Rieselwiesen" aufgefunden wurde. Wie aus einem Bericht der WZ vom Nov. 1961 hervorgeht wurde die Münze in Ägypten unter dem türkischen Sultan "Suleimann II. den Großen" geprägt. Er regierte von 1520-1566 und wurde bei uns durch die Belagerung Wien´s´ im Jahre 1529 bekannt. Auch das Heidemuseum hat der AAG-SFA einige - andere sind dort weiterhin zu besichtigen- Münzen des Münzschatzes Ettenbostel (TÜP-Bergen) ausgeliehen. Dieser um 1670 von einem Unbekannten vergrabene Schatz der 51 Silbermünzen in einer Kupferdose enthielt, wurde 1951 wiederaufgefunden. Bis zur Ausstellung 1990 im Heidemuseum "Rischmannshof" war es ein langer Weg voller Überraschungen und Ereignissen. Interessant sind die Prägeorte von Jütland bis Prag, Elsaß oder Graz. Geschichten können alle Münzen erzählen, ob sie nun in Bierde bei der Verlegung eines Stromkabels im Bereich des Backhausstandortes oder in Meinerdingen im Sand unterm alten Holzfußboden – 698 Kleingeldmünzen 16.-17. Jh.- beim Umbau entdeckt wurden.

Der wohl größte bekanntgewordene, nicht mehr zugängliche Münzfund, ein Topf mit 168 Gold- und Silbermünzen wurde im Februar 1885 auf dem Winsemannschen Hof in Kämerhöfen, Obereinzingen (heute TÜP-Bergen) bei Erdarbeiten im Garten entdeckt. Der Schreiber des Buches "Die Heidmark", Hans Stuhlmacher beschreibt eindeutig die Entdeckungsgeschichte verbunden mit dem Schatz bewachenden "schwarzen Hund von Kämerhöfen". Die Prägeorte erzählen eine ähnlich interessante Geschichte wie der Ettenbosteler Fund.

Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Münzfunde ist enorm hoch, manche Finder sind damit überfordert und werden von dubiosen "Händlern" übers Ohr gehauen. Jedem Finder kann man nur Raten, sich zwecks Beratung an die Denkmalbehörden oder größeren Museen zu wenden. Auch einige Schatzsucher mit Metallsuchgeräten haben dieses erkannt und arbeiten beispielhaft mit der AAG-SFA erfolgreich zusammen. Die Kenntnis von Münzfunden und deren Fundorten sind für Archäologen, Numismatiker und Historiker eine wichtige Forschungquelle ohne sie wäre der jetzige "Varusschlachtort" nie lokalisiert worden.

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