Archäologie - Wissenschaft des Zufalls
Grabungen bei Ahrsen: Zwar kein großer Fund, aber aufschlussreiche Kleinteile / Jägerlager

Es ist ähnlich der Suche einer Nadel im Heuhaufen. Nur, dass es noch schwieriger ist. Denn im Gegensatz zur besagten Nadel sind die erhofften Fundstücke bereits mindestens 9000 Jahre alt. Und der Boden ist im Gegensatz zum Heuhaufen mit Pflug und Trecker mehrfach durchwühlt worden. Doch trotzdem wagt sich die Archäologische Arbeitsgemeinschaft auf die Spuren eines mittelsteinzeitlichen Jägerlagers. Der erhoffte große Fund ist zwar nicht dabei. Aber auch die kleineren Stücke können Aufschluss über das Leben der Jäger und Sammler geben.

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Ahrsen (js). Bereits am Samstagmorgen beginnt eine Gruppe von rund zehn ehrenamtlichen Helfern nahe einem Feldweg bei Ahrsen mit den Grabungen nach mittelsteinzeitlichen Funden. Was für den Laien wie eine ganz normale Wiese aussieht, war vor etwa 7000 bis 9000 v. Chr. ein Jägerlager der Steinzeitmenschen. "Das Lager befand sich an einer leichten Düne nahe einer Quelle eines kleinen Flusses", erklärt Wilhelm Meyer, Kreisbeauftragter für Archäologische Denkmalpflege und Helfer an beiden Tagen.

Und tatsächlich: Noch heute ist der Bachlauf vorhanden, die Düne trotz mehrmaligen Umpflügens des Bodens erkennbar. Doch Wilhelm Meyer weiß noch mehr: "Zu der Zeit war es in dieser Region etwa vier Grad wärmer. Die Steinzeitmenschen lebten in Zelten und gingen auf die Jagd oder sammelten Beeren und anderes Essbares." Deshalb erhoffen sich die engagierten Mitglieder der Arbeitsgruppe auch, dass sie einen für sie großen Fund machen werden: Ein mittelsteinzeitliches Werkzeug ist das Ziel ihrer Bemühungen.

Mit akribischer Genauigkeit wird an mehreren Stellen geduldig gegraben. Die Helfer tragen die Erdmasse Schicht für Schicht mit Spachteln ab. Vorsichtig wird jedes Fundstück freigelegt und anschließend in einen Plastikbeutel verpackt. Meist handelt es sich bei den freigelegten Steinen um Abschläge. Sie entstanden wahrscheinlich bei der Herstellung von Werkzeugen. Außerdem finden die Helfer Holzkohlereste, die von ehemaligen Lagerfeuern zeugen.

Jedes Fundstück wird genau kartiert, damit die Daten später in ein Computerprogramm eingepflegt werden können. Dort entsteht ein genaues Bild von der gesamten Grabungsstätte, aus dem neue Schlussfolgerungen gezogen werden.

Vor allem die Holzkohlestücke sollen untersucht werden: "Mit einem chemischen Verfahren, der so genannten C14-Methode, kann man das Alter des Kohlenstoffs im Holz recht sicher bestimmen", erklärt Klaus Gerken, der regelmäßig an Grabungen teilnimmt. Nach zweit Tagen dann das Endergebnis: Es wurden viele kleine Funde ausgegraben, aber der ersehnte Werkzeugfund bleibt aus. "Der Boden war einfach schon durch die landwirtschaftliche Nutzung zu sehr gestört", bilanziert Klaus Gerken. Doch dann kommt es doch noch zu einer Überraschung: Eine Dorfmarkerin stößt zu der Gruppe der Suchenden. In ihren Händen einen Feuerstein, den Karl Gerken sogleich als ein mittelsteinzeitliches Beil enttarnt. Die Frau hatte den Stein beim Spazieren gehen auf einer Ackerfläche gefunden. Archäologie ist eben auch immer eine Wissenschaft des Zufalls.

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