"Dafür brauchte Obelix seine Hinkelsteine"
Gewichtige Zeitzeugen: Mit Hilfe der britischen Armee hat die Archäologische Arbeitsgemeinschaft tonnenschwere Steine in die Kreisstadt transportiert. Hintergrund: Auf dem Gelände am Museum soll das erste Steingrab in Bad Fallingbostel aufgestellt werden. Das BIld zeigt Wilhelm Meyer und Jochen Homann (Archäologische Arbeitsgemeinschaft) und Bürgermeister Arnold Richter.

[Bad Fallingbostel.] Die alten Ägypter hatten keine motorisierten Kranwagen und Gabelstapler. Als sie die Pyramiden bauten, waren Kraft, Geschick und physikalische Kenntnisse nötig. Das gilt auch für die Menschen, die vor mehreren tausend Jahren Steingräber errichteten. „Ein paar Hebelgesetze haben die schon gekannt“, weiß Wilhelm Meyer von der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft. Wie aus den tonnenschweren Einzelstücken ein solche Grab wird, das können Interessierte jetzt in der Kreisstadt sehen: Am Museum entsteht eine gewichtige letzte Ruhestätte.

Bad Fallingbostel (ei). Im Spätsommer/Herbst werden laut Plan Mitarbeiter des städtischen Bauhofs das Gelände an der Michelsenstraße zwischen Museum und Grundschule für den Grab-Aufbau herrichten. Etwa zwei mal fünf Meter groß wird das Gebilde werden, das Einheimischen, Touristen und vor allem Schülern als Anschauungsobjekt dient.

Bekannt sind die so genannten Sieben Steinhäuser auf dem Truppenübungsplatz, das nächste Grab dieser Bauart befindet sich in Krelingen. „In Bad Fallingbostel gibt es bisher keines“, wissen Meyer und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Jochen Homann.

Schon bei der Eröffnung des Museums vor rund zwei Jahren entstand deshalb die Idee, irgendwann ein solches Gebilde auf dem Gelände zu installieren. „Dazu mussten wir erstmal passende Steine finden“, berichtet Meyer. Und natürlich den Transport organisieren.

Steine fanden die Archäologen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Ahrsen und Idsingen. Glück: Die Besitzer zeigten sich spendabel. Das Herzstück eine Steingrabs, die große Deckplatte, kann schon mal um die 20 Tonnen wiegen. Das Bad Fallingbosteler Exemplar bringt es immerhin auf zweieinhalb Tonnen.

Die britische Partnereinheit REME nahm sich in der vergangenen Woche dem schwergewichtigen Problem an. Einen ganzen Tag lang bugsierten Soldaten mit Hilfe von Kranwagen, Transportfahrzeug und Radlader die Steine auf das Museumsgelände. Kein einfaches Unternehmen: Ein Fahrzeug geriet zwischenzeitlich in Schieflage – die Aktion verzögerte sich.

Bürgermeister Arnold Richter, der den Kontakt zur REME in Sachen Steingrab aufgenommen hatte, freut sich: „Das wird das Gelände am Museum aufwerten“. Damit spielenden Kindern nichts passiert, wird das gesamte Gebilde fest installiert und gesichert.

Vor etwa 3500 Jahren, so die Experten der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft, sind solche Steingräber gebaut worden – in Norddeutschland ebenso wie in Israel, entlang der afrikanischen Küste, in Spanien, Skandinavien und anderen Gebieten. „Dafür brauchte Obelix seine Hinkelsteine“, witzelt Homann.

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