Sondergänger - Textfeld:  
Suchen und bewahren!

Dr. Wilhelm Gebers

In der Regel ist der Ruf der Sondengänger beiden Denkmalpflegern nicht besonders gut. Das hat natürlich seine Ursachen, denn die größere Gruppe verfährt frei nach dem Motto “ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert”. Die Verkaufsbörse E-Bay zeigt, welche historischen Funde ungeniert der Sammelleidenschaft und oft nur dem Gewinnstreben geopfert werden. Bei Sammlertreffen unter dem Tisch angebotene Schätze aus Grabhügeln Südosteuropas künden von der Beraubung archäologischer Fundstellen und dem illegalen Handel mit vorgeschichtlichen Altertümern. Eine kleine Anzahl von Sondengängern arbeitet direkt mit der Denkmalpflege zusammen und hält sich an die Vorgaben, wonach bekannte Denkmale wie Burgen und Grabhügel, aber auch vom Pflug noch unberührte Flächen tabu sind. Trotz dieser Einschränkung gelingt es diesen Sondengängern immer wieder, wichtige Fundstellen, die auf den beackerten Flächen der Zerstörung durch die moderne Landwirtschaft anheim gefallen sind, neu zu entdecken, dort Funde zu bergen und die Aufmerksamkeit der Denkmalpflege auf diese Gebiete zu lenken, Gebiete, in denen über kurz oder lang alle Befunde und Funde zer­stört sein dürften.

Unser FAN - Mitglied Peter Haverkamp brachte zu einem unserer Treffen eine ganze Reihe von Funden, die zweifellos von einem Messingeimer, einem sog. Hemmoor-Eimer, stammen. Henkel und Randstücke waren bereits vom Pflug zerbrochen, eine Menge Blechfragmente von der Eimerwandung und der vollständige Boden lagen dabei. Leider war dieser vom Finder geborgen und nur grob eingemessen worden, leider deshalb, weil man durch eine fachgerechte archäologische Freilegung und Einmessung weitere Befunde hätte erheben können.

Innenwandung eines Blechfragmentes mit
Abdrücken eines feinen Gewebes.
Foto Chr. Fuchs, NLD.

Aus dem Knochenbrand aussortiert: Fragmente eines
verzierten Dreilagenkammes

Bronzeniet ausgesondert aus dem Leichenbranddes in situ angetroffenen Unterteils des Bronzeeimers.

Eimerhenkel
Diese Fragmente zeigen an den Bruchstellen deutliche
Schmelzspuren, die wohl im Scheiterhaufen entstanden
sind.

Nun - dieser Schaden ist im Vergleich zum Nutzen eher gering, denn ohne die Suche mit der Sonde wären alle Funde und Befunde verloren gegangen, Funde, die nach der zeich­nerischen Rekonstruktion des Messingeimers im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege erkennen lassen, um was für ein schönes Fundstück es sich handelt. Zieht man die Funde aus dem Umfeld der Fundstelle und aus dem im Unterteil geborgenen Knochenbrand hinzu, so wird auch dem Laien deutlich, dass es nicht nur um die Bergung von Metallteilen geht, vielmehr noch weitere Grabbeigaben, darunter Fragmente eines verzierten Dreilagenkammes, ein Bronzeknopf, Bronzeschmelz und Teile von geschmolzenen blauen Glasperlen zur Ausstattung einer reichen Germanin gehört haben dürften. Der von provinzial-römischen Handwerkern hergestellte Eimer ist wohl schon im ersten Jahrh. n. Chr. auf Handelswegen ins germanische Siedlungsgebiet gelangt. Deutliche Abnutzungsspuren im Bereich des Henkels lassen vermuten, dass eine gewisse Zeit vergangen sein dürfte, bis er als Behältnis für den Knochenbrand in die Erde gelangte. An einigen Teilen der Wandung sind Abdrücke eines feinen Gewebes erhalten. Diese lassen vermuten, dass der Knochenbrand zusätzlich in einem Leinen(?)sack gelegen hat oder dass er im oberen Bereich von einem Leinengewebe bedeckt war.

Die Funde werden ab Juni 2005 im Museum Bad Fallingbostel, Michelsen Str. 1, zu sehen sein.  Wir danken Herrn Peter Haverkamp für die ver­trauensvolle Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Um die Funde und mögliche weitere Befunde an der Fundstelle werden sich nun außer Herrn Haverkamp auch der Kreisbeauftragte für Archäologische Denkmalpflege, Herr Wilhelm Meyer, und die vor Ort tätige Archäologische Arbeitsgemeinschaft e.V. unter fachlicher Beratung durch das NLD kümmern. Zu hoffen bleibt, dass in guter Zusammenarbeit - auch mit dem Pächter und Grundeigentümer - weitere Fragmente des Messingeimers geborgen werden und sodann die Frage der Restaurierung dieses schönen Fundes in greifbare Nähe rückt.

Den vollständigen F.A.N-Post Bericht des 2.Halbjahres 2005 bekommen Sie unter:

http://www.fan-nds.de/downloads/fanpost22005.pdf