Stand ein Dorf auf dem Kirchberg?

Ganz schnell musste es gehen im Juli vergangenen Jahres: Bei den Bodenarbeiten für das neue Walsroder Gemeindehaus Am Kloster konnte bei einer Notbergung nach archäologischen Spuren unserer Vorfahren gesucht werden. Rund 25 Kilogramm Scherben förderten die Grabungstechniker damals zu Tage. Jetzt sind alle Funde ausgewertet – mit einer kleinen Sensation: Auch aus den Zeiten der Klostergründung wurden Gefäßscherben gefunden – bestand die Siedlung sogar schon vorher?

[Bad Fallingbostel / Walsrode.] Mehrere Kartons voller Scherben lagern im Museum der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft in Bad Fallingbostel: Der insgesamt rund 25 Kilo schwere Fundus reicht vom daumennagelgroßen Splitter bis zum großen Schlachtermesser aus Eisen – allesamt stammen aus der Baugrube des neuen Walsroder Gemeindehauses, direkt neben dem 1000-jährigen Kloster.

Hartmut Rohde, seit 1978 Mitglied der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft, hat alle Funde der Grabung gesäubert, gesichtet, dokumentiert und manche sogar zusammengesetzt. „Wir konnten allerdings nur eine Handvoll Gefäße komplett rekonstruieren“, erläutert Rohde. Die Schwierigkeit lag darin, dass der Alte Amtshof ein „bewegtes Stück Land“ ist, auf dem die Erdschichten durch frühere Bauarbeiten oft durcheinander geraten sind – und mit den Erdschichten auch die dort hinterlassenen Gegenstände vergangener Zeiten.

Eine ungewöhnliche Entdeckung können die Archäologen jedoch verkünden: „Wir sind hundertprozentig sicher, dass wir rund 20 Scherben aus Zeiten der Klostergründung gefunden haben – das ist eine kleine Sensation!“, so Wilhelm Meyer, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. Denn diese Funde können zweierlei bedeuten: Entweder gab es während der Klostergründung ein kleines Handwerkerdorf neben der Baustelle – oder es existierte bereits vor der Klostergründung eine kleine Siedlung auf dem benachbarten Kirchberg. Im letzten Fall müsste die Gründungslegende Walsrodes neu geschrieben werden: Schließlich sollte demnach Graf Walo mitten im Sumpf stecken geblieben sein und dort später ein Kloster errichtet haben – von einer benachbarten Siedlung war bis jetzt noch keine Rede gewesen.

„Was jedoch tatsächlich zutrifft, werden wir nie feststellen können“, so das ernüchternde Fazit der Hobby-Archäologen. Eines jedoch bleibt als Erkenntnis: Der Flecken Land hinter der Walsroder Stadtkirche muss schon für viele Vorfahren interessant gewesen sein – es wurden sogar Scherben aus der vorrömischen Eisenzeit (100 Jahre v. Chr.) gefunden und katalogisiert.

Übrigens: So ganz ärmlich dürfte es in der Nähe des Klosters nicht zugegangen sein – sogar Austernschalen wurden aus dem Grund am Kirchberg geborgen.

Neben der von Hartmut Rohde erstellten Dokumentation sollen die Fundstücke auch mittels einer Ausstellung im Museum öffentlich zugänglich gemacht werden.

WZ-LOGO.GIF (2658 Byte)