Alle zwei Kilometer stand eine Burg

Grasbewachsene Aufwallungen, sanfte Gräben oder eine einsame Baumgruppe – den meisten Spaziergängern fallen sie kaum auf. Dabei können sich hinter den scheinbar zufälligen Landschaftsformen wahre Schätze verbergen: die Reste mittelalterlicher Burgen und Siedlungen. Ein Expertenteam der Denkmalpflege war drei Jahre lang auf den Spuren der Burgenlandschaft im Aller-Leine-Tal unterwegs. Das Ergebnis ist im frisch erschienenen Buch „Burgen im Fluss“ nachzulesen, herausgegeben vom Landkreis Soltau-Fallingbostel.

[Walsrode.] Von wegen beschauliches Aller-Leine-Tal: Im Mittelalter dürfte es entlang der hiesigen Flüsse alles andere als nur ruhig und friedlich zugegangen sein. Auf der 28 Kilometer langen Strecke zwischen Rethem und Engehausen drängten sich die Burgen: Insgesamt 13 ehemalige Anlagen konnten bislang geortet werden – „und da ist noch weiter jede Menge zu finden“, freut sich Wilhelm Meyer (Archäologische Arbeitsgemeinschaft) über den reichen Schatz der neu entdeckten Burgenlandschaft.

Gemeinsam mit Dr. Hans-Wilhelm Heine vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und den Fachleuten beim Landkreis hat Meyer in den vergangenen drei Jahren die ehemaligen Burgen-Standorte entdeckt und untersucht (WZ berichtete). Was keiner vorher geahnt hatte: Alle zwei Kilometer wurden die Experten fündig. Vor allem anhand von Luftaufnahmen, auf denen die Umrisse der mittelalterlichen Anlagen oft noch zu erkennen sind, enttarnten sie so manchen Hügel als einst beeindruckenden Burgwall.

Von der ehemaligen Wehrhaftigkeit der Adelssitze ist heute jedoch kaum noch etwas zu sehen: In vielen Fällen gibt es noch nicht einmal mehr Fundamente. „Dies war eine steinarme Gegend“, erklärt Dr. Hans-Wilhelm Heine, warum oft nur Holz- oder Ziegelgebäude erstellt worden waren. Dabei hielten unsere Vorfahren viel von mittelalterlichem „Baurecycling“: War eine Anlage nicht mehr bewohnt oder der Burgherr im Kampfe vertrieben, dann begannen die Abrissarbeiten. „Es wurden sogar ganze Häuser geklaut“, weiß Dr. Heine zu berichten.

Mehr über die bewegte Vergangenheit der Burgen im Aller-Leine-Tal und vor allem ihrer jetzt noch sichtbaren Spuren ist im frisch erschienenen Buch „Burgen im Fluss“ nachzulesen. Auf rund 80 Seiten können die Leser auf den Pfaden der ehemaligen Herren der Bunkenburg, Uhlenburg, Blankenburg und weiterer Adelssitze wandern. Das vom Landkreis herausgegebene Buch ist zugleich eine Dokumentation über das Projekt „Burgenlandschaft ALT“, das künftig auch touristisch neue Akzente setzen soll. Kostspielige Ausgrabungen sind bislang allerdings nicht geplant. Vielmehr will das Projektteam die Funde sozusagen im „Outdoor-Archiv“ bewahren.

Die Untersuchung verursachte Kosten in Höhe von 30.000 Euro, die vom Landkreis, der EU-Förderung Leader+, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Lüneburgischen Landschaftsverband finanziert wurden.

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