Ein Speicher geht (nicht) auf Reisen

Die Ankündigung der beiden großen Ratsfraktionen CDU und SPD, nun doch noch im Haushaltsplan 2006 Geld für den Aufbau eines Treppenspeichers am Museum bereit stellen zu wollen, hat in Bad Fallingbostel für Verwirrung gesorgt. Eigentümer, Stadtverwaltung, Parteien, Archäologische Arbeitsgemeinschaft: Tagelang redeten die Beteiligten aneinander vorbei, niemand kannte mehr genau den Stand der Dinge. Jetzt hat Jochen Homann, Vorsitzender der „Archäologen“, einen Schlussstrich gezogen: „Wir verzichten.“

[Bad Fallingbostel.] Die Idee: Die Archäologische Arbeitsgemeinschaft wollte als Betreiber des Museums in Bad Fallingbostel das historische Ensemble ergänzen und gleichzeitig mehr Raum schaffen für spezielle Angebote wie Schulunterricht. Außerdem sollte ein Treppenspeicher zum optischen Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen werden.

Die Landwirtsfamilie Hinrichs aus Riepe hat einen Treppenspeicher und zeigte sich spendabel: Die Archäologische Arbeitsgemeinschaft dürfe das denkmalgeschützte Gebäude abtragen und in der Kernstadt wieder aufbauen, boten die Eigentümer an. Geschätzte Kosten für Umzug und Sanierung: rund 45.000 Euro. Der Speicher selbst sollte nichts kosten.

Doch die Stadt zeigte sich wenig begeistert: Nachdem sich Bau- und Verwaltungausschuss mit dem Thema befasst hatten, folgte der ablehnende Bescheid an die „Archäologen“. Zur Begründung hieß es unter anderem, der Standort am Museum sei ungeeignet. Zum einen sei das Gebäude zu groß und passe nicht zum eigentlichen Museum. Zum anderen würde es zu dicht an der benachbarten Grundschule stehen. Außerdem gebe es keinen geeigneten Finanzierungsplan.

Im Haushaltsplan 2005 waren bereits 7000 Euro als Zuschuss für das Projekt eingeplant worden. Weil das Vorhaben „Treppenspeicher“ nicht umgesetzt wurde, verfiel der Ansatz. Anfang 2006 beschlossen CDU und SPD nach ihren Klausurtagungen: Das Geld soll wieder im Etat aufgenommen werden.

Darüber war unter anderem Landwirt Maik Hinrichs aus Riepe verwundert: „Ich dachte, die wollen nicht mehr“, reagierte er auf eine Anfrage der WZ. Auch im Bauamt sorgte die Nachricht für Überraschung: „Das Thema war doch eigentlich erledigt“, so der Leiter Johannes Vetter. Und schließlich zeigte sich auch Wilhelm Meyer von der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft „kalt erwischt“. Man sei offen für viele Varianten und suche nach einer Lösung, reagierte er diplomatisch.

Der Vorsitzende Jochen Homann hatte schließlich genug und machte Nägel mit Köpfen: „Die Sache ist erledigt. Wir wollen nicht mehr diesen Speicher aus Riepe am Museum aufbauen – irgendwann muss Schluss sein.“ In einem Brief teilte er jetzt den Verzicht der Stadtverwaltung mit. Die Arbeitsgemeinschaft sei bemüht, durch Umgestaltungen im Museum den fehlenden Raum für Unterricht zu schaffen. Dazu solle ein Konzept erarbeitet werden.

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