Archäologen im Glück: Hemmoorer Eimer

Unerwartetes Forscherglück: Als eine Gruppe der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft am Wochenende einem Acker in Grethem mit Minibagger und Schaufeln zu Leibe rückt, ist quasi gleich der erste Spatenstich ein Treffer. Nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche stoßen die Experten auf einen so genannten Hemmoorer Eimer.

          

Grethem. Natürlich hat Wilhelm Meyer, Kreisbeauftragter für Archäologische Denkmalpflege, auf einen Erfolg gehofft – schließlich hatte eben jener Acker am Grethemer Ortsausgang Richtung Gilten einst auch schon den ersten Eimer freigegeben: ein rund 1800 Jahre altes römisches Messinggefäß, in dem Germanen teilweise ihre Toten bestattet haben und das zu den Höhepunkten in den Vitrinen des Bad Fallingbosteler Museums zählt (WZ berichtete bereits mehrfach). Aber der schnelle Grabungserfolg überrascht doch.

Vorsichtig legen die rund 15 Freiwilligen, die an diesem Sonnabend die 15 mal 15 Meter große Grabungsstelle untersuchen, diesen zweiten Eimer zur Hälfte frei: Das ohnehin weniger als einen Millimeter dünne Messing ist vollständig korrodiert, der Eimer droht zu zerbrechen. An einer Seite hat sich bereits so genannter Leichenbrand, kleine Knochenreste der bestatteten und eingeäscherten Person nach draußen gedrückt. Anscheinend ist der Eimer in der Vergangenheit bei Feldarbeiten zerpflügt worden. Der Fuß wird später einen halben Meter entfernt gefunden.

Auf Fotos wird nun die genaue Fundstelle und die Lage des Gefäßes festgehalten, bevor es schließlich eingegipst und so für genauere Forschungen konserviert wird. Denn weitere Untersuchungen sind notwendig, die Fundstelle gibt dem Team von Wilhelm Meyer Rätsel über Rätsel auf: Neben Stücken von Glasperlen, Anstecknadeln, dem obligatorischen Knochenkamm und knöchernen Ringen fördern die Arbeiten auch zwei Stücke eines Elfenbeinreliefs zu Tage, die eine Art Kaiserpaar darstellen. „Das ist ganz einzigartig: So etwas kommt sonst nur in Fürstengräbern vor“, bestätigen sich Meyers Vermutungen, dass in Grethem höher gestellte Persönlichkeiten beerdigt wurden. Er vermisst jedoch noch die typischen Keramikbeigaben.

War der Acker mal ein Friedhof der Germanen? Und sind die gefundenen Spuren von mehr als 50 Hölzern ein Teil eines Hauses? Spuren weisen auch auf einen Brunnen hin, mehr als 1,20 Meter tief. Die Grabungen auf dem Acker sind trotz der noch offenen Fragen vorläufig abgeschlossen, die Spaten, Schnüre, Metallsuchgerät und Kameras wieder eingepackt. Wie viel im Hemmoorer Eimer selbst noch zu finden ist – im ersten Fund waren zwei Menschen zu unterschiedlichen Zeiten bestattet worden, weiß Meyer nicht. Ebenso ist die Frage der Finanzierung der noch notwendigen Untersuchungen nicht geklärt. „Wir brauchen noch Sponsoren.“ Zumindest besteht nach diesem sensationellen Ergebnis aber die Hoffnung, dass jetzt auch große Museen aufmerksam werden und die Funde als Leihgabe ausstellen.

Offen bleibt auch weiter die Frage, wie der römische Eimer, der im eigenen Land nicht als Bestattungsbehältnis verwendet wurde, hierher gekommen ist. Während der Kriegszüge der römischen Kaiserzeit? Mitgebracht von einem German in römischen Diensten? Oder durch Handel? Wilhelm Meyer will der vergangenheit noch weitere Geheimnisse entlocken. Vielleicht ist die Grethemer Forschung also doch noch nicht „im Eimer“...

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