Messingeimer und Silberdenar römischer Herkunft

„Alles im Eimer“ – schrieb der Berichterstatter der Walsroder Zeitung als der neu aufgefundene Messingeimer - sogen. „Hemmoorer Eimer“ – bei dem Start in die neue Museumssaison 2006 den anwesenden Besuchern und der Presse vorgestellt wurde. Dieser Messingeimer sowie weitere Gegenstände wurde im zerpflügten Zustand durch ein Mitglied des „Freundeskreis Archäologie in Niedersachsen e.V.“ (FAN) im September 2004 kurz vor der Getreideeinsaat geborgen und dem Museum der „Archäologischen Arbeitsgemeinschaft e.V.- Landkreis Soltau-Fallingbostel“ (AAG-SFA) übergeben. Da eine Nachuntersuchung 2005 ausfiel, wurde sie nun im September 2006 nachgeholt.

                     

Bereits im Jahre 1843 waren in der Gemarkung Grethem, wahrscheinlich in der Nähe der heutigen Fundstelle, beim Sandabgraben ein Messingeimer des gleichen Typus und ein steilwandiges Becken geborgen worden, beide gelangten in die Sammlung des damaligen Amtsrichters Doktor Klee in Ahlden. Dieser verkaufte sie später an den Historischen Verein der Provinz Hannover, von wo aus sie in das heutige Landesmuseum Hannover gelangten. 

Der Messingeimer von zylindrischer Form besitzt einen gerundeten Boden, auf dem sich noch die Abdrücke eines Leinengewebes abzeichnen. Er weist keine Patina auf, misst 21,1 cm in der Höhe, die Mündungsweite beträgt 23,6 cm, der gedrehte angelötete Fuß hat einen Bodendurchmesser von 10,5 cm. Auch das steilwandige Becken besteht aus dem gleichen Material, jedoch ist der Erhaltungszustand nicht von gleicher Qualität. Im Boden ist ein Stück heraus gebrochen, von einem Griff sind nur noch die Abdrücke und die Lötreste zu erkennen. Die Oberfläche des Beckens weist eine dunkelgrüne bis bläuliche Patina auf. Die Höhe beträgt 8,7 cm bei einem Durchmesser von 26,7 cm. Auch dieses Gefäß zeigt innen und außen Abdrücke eines Leinengewebes. 

Dass beide Gefäße als Totenurnen benutzt wurden, besagt die alte Nachricht. In ihr wird auf weitere „zertrümmerte Aschenkrüge aus Thon“ hingewiesen, wobei sicherlich eventuell vorhandene Brandgrubengräber (s. Schwarmstedt) unerkannt blieben. Dass jene, einstige römische Tafelgeschirre bei unseren Germanen als Urnengefäße benutzt wurden, wird durch den Neufund eines Hemmoorer Eimers im Jahre 2004 in der Nähe der alten Fundstelle erneut bestätigt. Im unmittelbarem Bereich des zerscherbten Eimers konnte der Entdecker auch eine römische Münze bergen die ein ungefähres Vergrabungsdatum setzt. Der Denar des späteren Kaisers CARACALLA wurde 201/202 n. Chr. in Rom geprägt und gelangte in den Jahren danach mit den weiteren Gegenständen in die Hände der damals in Grethem sesshaften Germanen. Es bleibt noch anzumerken, dass Kaiser CARACALLA im Jahre 213 n. Chr. mit einem gewaltigen Heer über den Limes hinaus, weit nach Norden in germanische Gebiete vorstieß. Eine Berührung mit den Germanen des Aller- Leine- Tales bleibt Spekulation. 

Bei der weiteren Untersuchung der im Jahre 2004 geborgenen Stücke im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, fanden sich im Leichenbrand noch ein Bronzeknopf, Bronzeteile und ein mit Kreisaugen verzierter und mit Eisennieten befestigter dreilagiger Knochenkamm. Weitere interessante Aufschlüsse brachte dann die anthropologische Knochenbranduntersuchung. Im Eimer waren Leichenbrände von zwei verschiedenen Individuen, die nach dem Tode nicht auf dem gleichen Scheiterhaufen verbrannt worden sind. Zu unterst im Eimerboden lag der Leichenbrand einer 44 jährigen Frau in Situ, während der restliche Leichenbrand im Umkreis von etwa einem Meter, durch die laufende Beackerung zerstreut, aufgesammelt wurde. Darin befanden sich die Leichenbrände der genannten Frau und der eines 24 jährigen Mannes. Dieses zeigte sich schon des Öfteren auf Friedhöfen der Römischen Kaiserzeit. Bei dieser Untersuchung kamen noch weitere Kammteile und als Überraschung Fragmente eines Elfenbeinkästchens ans Tageslicht. Durch die Zerstörung des Eimers lassen sich die Beigaben leider weder der Frau noch dem Manne zuordnen. 

Als sehr aufwendig erwies sich die Restauration des Eimers, die wegen der zahlreichen, durch den Pflug zerkleinerten Messingstücke einige Wochen in Anspruch nahm. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Von fachkundiger Hand in vielen Stunden geduldiger Arbeit restauriert, steht nun vor uns der formvollendete Eimer des gleichen Typs (Eggers Typ 58) wie der Erstfund aus dem Jahre 1843. 

In den letzten Jahren ist eine „Handvoll“ römische Münzen des 1.– 4. Jahrhunderts in den Besitz der Arbeitsgemeinschaft gelangt. Da sie alle sehr abgegriffen sind, liegt ihr Marktwert teilweise unter 20.- €; der ideelle Wert für die Geschichtsschreibung des Landkreises ist jedoch beachtlich. Von größter Wichtigkeit sind die Fundorte der Münzen und ihre Bestimmung. Dieses gilt gleichwohl für alle archäologischen Funde die im Privatbesitz sind; dort können sie bleiben, nur sie sollten der Denkpflege gemeldet werden.

Die diesjährige Septembergrabung 2006 an der Grethemer Eimerfundstelle des Jahres 2004 erbrachte erneut einen Messingeimer des gleichen Typs, Glasschmelze, sowie einen Elfenbeinkamm verziert mit einem Miniaturrelief  einer Kaiserfamilie. Dieses ist mit seinen weiteren Beigaben ein sensationeller Fund zu dem bisher Parallelen fehlen. Die Funde befinden sich zur Zeit in einer Restaurationswerkstatt und wir sind gespannt auf die Forschungsergebnisse.   

Durch die neuerliche Auffindung der beiden „Hemmoorer Eimers“ und die Aufarbeitung der Altfunde etabliert sich im Landkreis Soltau-Fallingbostel das Gebiet südlich der Aller als Fundort von überregionaler Bedeutung hinsichtlich einer größeren Anzahl von Messingeimern, Becken und Glasgefäßen aus römischer Produktion. Ob als Beute, Geschenk- oder Handelsobjekt wir werden es wohl kaum jemals beantworten können. 

Mein Dank gilt allen, die erfolgreich an der Auffindung, der fachlichen Beratung, der Bezuschussung für Restauration und Ausstellung beteiligt waren, und die neuerliche Grabung ermöglichten.  

Autor: Wilhelm Meyer
(c) Archäologische Arbeitsgemeinschaft e.V.